from the Series . Indian Spirit .
Kürzlich bin ich in einem Interview gefragt worden, warum meine Arbeiten so farbstark sind. Woher das kommt, vielleicht sogar aus der Malerei?
Eine interessante Frage, über die ich noch nicht wirklich nachgedacht habe und deshalb möchte ich hier dieses Thema aufgreifen und meine Gedanken in Worte fassen. Farben gehörten schon immer für mich dazu. Meine Phantasieblumen, die ich als Kind malte, waren schon sehr farbenprächtig, geheimnisvoll und wunderlich. Echte Märchenwelten in denen alle Lebewesen erst einmal durch den Farbkasten hüpfen mussten. So hat dann jeder seine Fußspuren in meinem Bild hinterlassen und auf erstaunliche Weise färbten sich die Blumen, die man zuvor nie gesehen hatte, ebenfalls in den schönsten Farbtönen ein. Alle waren entzückt darüber, die Bildbewohner und selbstverständlich ich selbst.
Wieviele Farben gibt es überhaupt? Man sagt, ungefähr 20 Millionen verschiedene Farbtöne, kann der Mensch unterscheiden. Die Wissenschaft erachtet das nicht als sinnvoll und hat sich auf die Primärfarben festgelegt aus denen sich alle weiteren Farbtöne mischen lassen. Die Auswahl ist unerschöpflich und ich bin sehr froh darüber. Farben sind unglaublich facettenreich. Hinzu kommt noch die Lichteinwirkung. Fällt ein heller Sonnenstrahl auf eine Photographie oder ein Gemälde entsteht eine völlig andere Wirkung. Im Schatten oder bei geringer Beleuchtung wird die gewünschte dramatische Bildsprache unterstützt und es kann sich die volle Wirkung ausbreiten. Deshalb ist die Wahl eines passenden Platzes für ein Kunstwerk und seine Umgebung sehr wichtig, damit sich die Akzentuierung wirklich entfalten kann.
Vor gar nicht all zu langer Zeit stand ich im Rijksmuseum in Amsterdam vor Rembrandts Werk . die Judenbraut . in einem Format von 1,22 m x 1,66 m. Mein Herz schlug schneller und ich war vollkommen fasziniert, zum einen über die Körpersprache dieses Liebespaares und die begnadete Farbzusammenstellung in Gold-, Braun- und Rottönen sowie dem Pinselstrich und die zum Teil erhabenen Farbschichten. Dieses Werk vollendete Rembrandt im Jahre 1667. Der Mann legt die Hand auf die Brust seiner zukünftigen Frau. Für mich eine dominante, überraschende und überaus zärtliche und liebende Geste. Die Frau berührt mit ihren Fingerspitzen seine Hand. Eine zarte, bestätigende sowie ebenfalls liebende Geste. Die Blicke der beiden verlieren sich im nirgendwo und wirken auf mich eher sorgenvoll und schwermütig. Die Blicke passen nicht zu den Händen oder doch? So ganz ist man diesem Motiv nicht auf die Spur gekommen, Vermutungen wurden angestellt. Aber dieses Kunstwerk erzählt eine Geschichte, wie sie entstand oder wie sie ausgegangen ist, entscheidet der Betrachter.
Eindrucksvoll die zum Teil dicken Farbschichten in den schillerndsten Farbnuancen von möglicherweise zerstäubten Blattgold über Marsala, das erdige Weinrot und feuerrot bis hin zu beige und kupferbraun. Mit einer Technik von eingekratzten Linien wurden unter anderem Dinge wie das Zickzackmuster im Umhang und die Faltenlegung des Überrocks auf eine faszinierende Art hervorgebracht. Aber diese Farben, wie sie in völliger Harmonie aufeinander wirken. Schimmernde Abstufungen zieren filigrane Details, unterstützen und betören. Wenn ich vor so einem einmaligen Kunstwerk stehe, bin ich vollkommen fasziniert. Ich versuche alle Farben und Formen zu verinnerlichen, um vielleicht einen Bruchteil mit mir nehmen zu können.
Ich liebe Farben so sehr, dass ich mit einer sinnlichen Freude meine Finger in sie hineintauche besonders beim kreieren eines neues Make-Up. Alles um mich herum betrachte ich in vielerlei Hinsicht. Ich sehe einen Gegenstand und das was er macht oder auch nicht und ich sehe die Farben. All diese wunderschönen Farben, innen und außen. Gestalte ich abschließend ein neues Bild, so muss die Farbgebung zum Motiv stimmen, aber auch mein Gefühlszustand ist maßgebend. Daraus entwickeln sich dann die Farben für dieses eine Bild. Es ist eine Momentaufnahme und ein völliges Sein mit dem sich gerade entfaltenden kreativen Schaffensprozess.

                     

                                                                                                                                                                                                                                                                         Hamburg im Juli 2020



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